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Freitag, den 28. August
Unsere Plakatwände werden gut bewacht

Wir kleben einen Streifen „Wählt Liste 5“ auf die großen Plakatwände, da die Wahlscheine für manche unübersichtlich sind. Als wir die Plakatwand an der Mozartstrasse prüfen, werden wir sofort von zwei Jugendlichen angesprochen, wir sollten das Plakat in Ruhe lassen. Sie dachten wir wollten es beschädigen oder beschmieren. Offensichtlich werden alle unsere Plakatwände ähnlich gut bewacht.
Mittwoch, den 26. August
Kleinkarierter Hickhack im Rat
Letzte Ratssitzung mit teilweise kleinkariertem Hickhack zwischen SPD und CDU, was der Nervosität angesichts des unsicheren Wahlausgangs zuzuschreiben ist. Der Bericht des Rechnungsprüfungsamtes erteilt dem scheidenden Bürgermeister Böing kein gutes Zeugnis. Neben den ungelösten Problemzonen Niederberg und zentrale Sportanlage hat er auch den Bereich „Regiebetrieb Freizeitbad“ nach wie vor nicht im Griff, der erneut mit manipulativen Zahlen den Rat zu täuschen versuchte. Das wurde zum Glück vom Rechnungsprüfungsamt verhindert.
Nur 17% der städtischen Bauaufträge gingen in 2008 an heimisches Gewerbe. Soviel zur Frage der Stärkung der Ortskerne und den Erfolgen der Wirtschaftsförderung. NV AUF geht’s wird den Antrag stellen, den AK Wirtschaftsförderung aufzulösen.
Montag, den 24. August
PAK-Befall von Schulböden
Sitzung des Bau-, Grünflächen- und Umweltausschusses. Zu Beginn gibt es den Bericht einer Diplomchemikerin über die Sanierung der Böden im Musikraum des JSG. Dort wurden Klebefolien mit PAKs entsorgt und ersetzt. PAKs sind krebserregend. Die Folien waren in den 70ger Jahren üblich. Die Lehrer wurden vor Beginn des Unterrichts informiert. Einzelne erinnern sich, dass es bereits früher in dem Raum gestunken hat, woraufhin aber nichts unternommen wurde. Jetzt steht die Frage, ob es geeignete medizinische Untersuchungsmethoden gibt, um etwaige Gesundheitsfolgen festzustellen. Das Thema wird auffallend unter dem Teppich gehalten.
Die Entwässerungssatzung wird entsprechend dem Antrag der Anwohner der Kreuzstrasse beschlossen.
50 empörte Bürger im Ratssaal
Dafür nahmen knapp 50 Anwohner der Rathaussiedlung teil. Sie sind zum Glück sehr aktiv um eine tragbare Lösung zu finden. Dazu erwarten sie aber seit längerem eine konkrete Aufstellung der für die Einzelnen anstehenden Kosten statt nur einen Paragrafensalat von Seiten der Verwaltung. Wie nicht anders zu erwarten gefiel sich der 1. Beigeordnete Eccarius erneut darin langatmig seine Verwaltungsdetails auszubreiten. Ich kritisierte seine Denkweise, den Bürgern ständig zu unterstellen, jeder sei nur auf seinen persönlichen Vorteil auf Kosten der Allgemeinheit bedacht. Meinen Vorschlag zur Lösung des Konfliktes trug ich in der anschließenden Ratssitzung vor: Es soll der Kanal saniert und im gleichen Arbeitsgang auch die Strasse komplett erneuert werden. Das ist hinsichtlich der Stadtentwicklung die sinnvollste Lösung. Um diese für die Anwohner bezahlbar zu machen sollte folgende Finanzierung überlegt werden. Die Anwohner zahlen zunächst die reinen Kanalsanierungskosten und zehn Jahre später die Strassenkosten. Dies wäre ein Schutzschirm für die Bürger, der aber auch dringend notwendig ist, da niemand das Geld auf einen Schlag aufbringen kann.
Podiumsdiskussion „Zukunft des Bergbaus“ verschoben
Die vorgesehene Podiumsdiskussion für zunächst Dienstag (25.8.), dann Donnerstag (27.8.) wurde verschoben. Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, die sich dafür stark gemacht haben. Sicherlich war es etwas kurzfristig, was nicht an NV AUF geht’s lag. Ein solch wichtiges Thema, wo es um die Zukunft der Arbeits- und Ausbildungsplätze geht, ist auch kommunalpolitisch ein zentrales Thema.
Das Verhalten der Bürgermeisterkandidaten der anderen Parteien dazu ist sehr aufschlussreich: CDU-Bürgermeisterkandidat Harald Lenßen: „Es ist mir nicht möglich, auch am Donnerstag an der Podiumsdiskussion teilzunehmen, und ich weiss auch nicht, was ich dazu sagen soll.“ Die SPD ließ schon Tage vorher ausrichten, dass für sie das Thema Arbeitsplätze Bergbau kein kommunalpolitisches Thema sei. Der Erhalt von Arbeitsplätzen im Bergbau ist ein bundes- wie auch ein kommunalpolitisches Thema, zumal über 500 Bergleute in Neukirchen-Vluyn wohnen.
Ob jemand Arbeit hat oder nicht, berührt die ganze Lebensperspektive einer Familie. Bürgermeisterkandidat Dieter Tersteegen von den Grünen meint: „NV AUF geht’s will auf dem Rücken der Bergleute Stimmen holen." Natürlich müssen die Bergleute und ihre Familien bei ihrer Wahlentscheidung wissen, wer sich ohne Wenn und Aber für die Arbeitsplätze einsetzt. NV AUF geht’s sagt klipp und klar, die Arbeits- und Ausbildungsplätze auf Zeche West müssen erhalten bleiben bis gleichwertige Ersatzarbeitsplätze geschaffen sind. Eine Schließung der Zeche West und damit die Vernichtung von 5.000 Arbeitplätzen wird es mit uns nicht geben. Die SPD, CDU, GRÜNE stimmten stillschweigend der Schließung der Zeche Niederberg zu und heute jammern sie, wo die verloren gegangenen 2.100 Arbeitsplätze sind. Ein Grund mehr, NV AUF geht’s zu wählen.
Das Thema ist nicht vom Tisch und wird uns noch länger begleiten. Deshalb werde ich als Bundestagskandidat der MLPD im September erneut die Initiative ergreifen für eine solche Veranstaltung und dazu alle Bundestagskandidaten einladen.
Freitag, den 21. August
Diskussion mit Schülern
Am Donnerstag Abend fand die Podiumsdiskussion mit der Oberstufe in der Aula der Realschule und am Freitag Morgen der Speakers Corner auf dem Schulhof des JSG mit der 10. Klasse statt. Auf dem Podium die vier Bürgermeisterkandidaten sowie der FDP-Vorsitzende Norbert Gebuhr. Die Fragen der Schüler bewegten sich sehr im engen Rahmen der Bedingungen an der Schule (Mensaessen usw) bzw der Kultur- und Freizeitmöglichkeiten der Jugend. Diese sind natürlich berechtigte Anliegen der Jugend.. Dazu gab es zweierlei Antworten. Alle anderen Podiumsteilnehmer mühten sich mit dem Versuch ab, die Wünsche der Jugend zu befriedigen. Harald Lenßen (CDU) mehr auf die ehrliche Tour und erklärte – zum Missfallen der Jugend - warum die meisten Wünsche nicht erfüllbar sind. Die anderen versuchten es mit Angeboten oder mit der „genialen“ Idee eine professionelle Bedarfsanalyse der Jugend durchzuführen (Jochen Gottke, SPD).
Der Jugend nicht die Verantwortung abnehmen
NV AUF geht’s hat einen ganz anderen Ansatz. Zunächst widersprach ich dem gängigen negativen Bild der Jugend. So haben wir unsere großen Plakatwände in der Nähe von sogenannten Problembereichen der Jugend aufgestellt. Wir wurden davor gewarnt weiße Hintergrundflächen zu verwenden, weil diese sofort verschmiert würden. Doch nichts ist passiert, was belegt, dass die Jugend durchaus achtsam mit Dingen umgeht, in denen sie einen Wert sieht. Es kommt also darauf an, den Fähigkeiten der Jugend eine sinnvolle Aufgabe und eine lohnenswerte Perspektive zu geben. Dazu muss sie auch selbst Verantwortung nehmen statt nur auf Angebote zu warten. In diesem Sinne befürwortet NV AUF geht’s z.B. den Bau eines selbstverwalteten Jugendhauses.
Wer soll das bezahlen?
Auch in der Frage der Finanzierung unterschied sich meine Position von allen anderen. Dazu gehört natürlich auch die Frage der Arbeitsplätze. Die anderen Parteien können nicht dauernd betonen, wie wichtig die Schaffung von Arbeitsplätzen sei und dabei den Mantel des Schweigens darüber breiten, dass sie der Schließung von Niederberg zugestimmt haben. Im übrigen fällt ihnen nur ein, dass die steigende Verschuldung der Stadt zu Sparmaßnahmen zwinge. Es ist doch aufschlussreich, dass für die hochverschuldeten Banken Ende 2008 im Nu 500 Billiarden Euro als Schutzschirm locker gemacht wurden. Da ging es nämlich um deren Gewinne. Bei dem städtischen Haushalt geht es ja nur um die Lebensbedingungen der Massen. Wen juckt das schon. NV AUF geht’s wird massiv gegen die Umverteilung der Krisenlasten von oben nach unten Front machen.
Mir gehen aber auch Gedanken durch den Kopf, ob die Beschränkung auf kommunale Fragen nicht auch ein Ergebnis des Unterrichts ist. Doch auch Umweltfragen sind z.B. eminent wichtige kommunale Fragen.
Donnerstag, den 20. August
Endspurt
Der Kandidatenbrief in 10.000 Auflage ist fertig gedruckt. Auf den ersten Seiten meine Vorstellung als Kandidat zur Bürgermeisterwahl. Auf der Rückseite eine Mitmachliste bzw in den Schwerpunktbezirken die Vorstellung des jeweiligen Direktkandidaten. Diese werden in den nächsten Tagen gesteckt bzw persönlich von den Kandidaten übergeben.
Infostand am Bauernmarkt: Noch mal das „kleinere Übel“ wählen?
Heute machten wir Infostand beim Bauernmarkt auf der Hochstrasse und verteilen den Bürgermeisterbrief. Es ist interessant. Eine Frau meint. „Ich weiss schon, was ich wähle. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie.“ Wir kommen ins Gespräch. Ich: „Die SPD ist keine Arbeiterpartei. Was Ulla Schmidt mit der Gesundheitsreform macht, ist nicht für die Arbeiter und Schröder hat Hartz IV auf den Weg gebracht. Auch das ist nicht für die Arbeiter.“ Wir sind uns darin schnell einig und sie meint „es ist aber besser als die CDU.“ „Sollen wir uns mit dem kleineren Übel abfinden. NV AUF geht’s ist seit 5 Jahren im Rat und ich kann sagen, wir konnten immer nur dann was verändern, wenn die Bürger sich zusammengeschlossen haben, wenn sie selbst für ihre Belange aktiv wurden.“ Ich nenne ihr verschiedene Beispiele. Ich sage „wir brauchen NV AUF geht’s im Rat, denn die einfachen Bürger brauchen ein Sprachrohr für ihre Interessen, und was dort abläuft, muss aufgedeckt werden“. Sie pflichtet mir bei und erzählt von ihren Erfahrungen mit dem Bauamt. Im Laufe des Gesprächs meint sie dann, es ist schon richtig, dass das kleinere Übel keine Alternative ist. Wir müssen die Politiker an ihren praktischen Taten messen. Zum Schluss meint sie: „Sie haben mich überzeugt, ich nehme mal Ihr Wahlprogramm und den Kandidatenbrief mit und überlege nochmals, was ich wählen werde.“
In der Post im Fraktionsbüro ist der Brief eines jungen Mädchens. Sie wünscht 50 Wahlprogramme.
Mittwoch, den 19. August
Meckern oder selbst aktiv werden?
Ein Ratsmitglied der SPD-Fraktion ruft mich an: „Klaus, die Plakat-Aktion ‚Meckern erlaubt’ war ja eine tolle Kampagne für Euch. Ich wurde laufend angesprochen: ‚Das kommt doch bestimmt von dem Wallenstein.’“ Stimmt, gleich zu Beginn des Wahlkampfs waren wir in aller Munde. Bei den Ständen sprachen wir dann wiederum die Leute an: „Wir sind nicht die Partei, die nur meckert – wir sind die, die was verändern. Wer was ändern will, muss selbst aktiv werden“ Das machte den Unterschied deutlich.
Rätsel
Wie viele Zitzen hat eine Ziege? (Auf dem SPD-Plakat sind es drei.)
Stellungnahmen zum Eyller Berg
Lisa berichtet vom Stadtentwicklungausschuss: „Heute war es eine kurze Sitzung. Zentraler Punkt war die Stellungnahme der Verwaltung an die Bezirksregierung zum Eyller Berg. Die Verwaltung lehnt in ihrer Stellungnahme die Genehmigung zum Bau einer Abfallbehandlungsanlage durch die Fa. Ossendot am Eyller Berg ab. Alle Parteien begrüßen die Stellungnahme, da sie nicht genehmigungsfähig sei und auch kein Bedarf bestehe. Auch ich begrüße die Stellungnahme, betone aber, dass wir eine Giftmülldeponie in wohnortnahen Gebieten grundsätzlich ablehnen, weil die Gesundheit der Menschen im Mittelpunkt stehe und nicht ob Bedarf oder Nicht-Bedarf angesagt ist. Darüber weise ich darauf hin, dass die Stellungnahme ergänzt werden solle um die Bedenken der Bürgerinitiative, dass auch die bestehende Abfalldeponie eine Gefährdung für die Anwohner darstellt. Ich betone, dass die Verwaltung sich stark machen soll, dass der Betrieb der Abfalldeponie solange gestoppt wird, bis alle Fragen der Verwaltung und die Bedenken der Anwohner zur Wasserverunreinigung, zur Nichteinhaltung der Auflagen geklärt sind.“
Dienstag, den 18. August
Zukunft des Bergbaus – kein Thema für die Kommunalwahlen?
Ich erwarte die Antworten der anderen Fraktionen auf meine Einladung zur Teilnahme an einer Veranstaltung zur Zukunft des Bergbaus. Ursprünglich war eine Befragung aller Bürgermeisterkandidaten im Rahmen einer Mitgliederversammlung der IGBCE vorgesehen. Nachdem diese kurzfristig abgesetzt wurde, ergriff ich die Initiative zu einer eigenen Veranstaltung. Schließlich arbeiten noch 600 Kumpel aus NV auf der Zeche West. Außerdem betonen alle Parteien die Bedeutung der Schaffung von Arbeitsplätzen. Deshalb darf das Thema, was aus den Kumpeln wird, im Kommunalwahlkampf keineswegs fehlen.
Angesichts der knappen Zeit bis zu den Wahlen kam für eine solche Podiumsdiskussion als einziger Termin Dienstag der 25. August in Frage. Natürlich sind an diesem Dienstag auch die Fraktionssitzungen zur Vorbereitung der Ratssitzung am 26. August. Und natürlich ist am Dienstag auch die Mitgliederversammlung der Initiative Eyller-Berg. Aber gerade für die großen Parteien dürfte es kein Problem sein, das eine zu tun und das andere nicht zu lassen. Um allen Partien gleiche Chancen einzuräumen, war es uns sogar gelungen einen neutralen parteiunabhängigen anerkannten Moderator zu finden.
Hier die Reaktionen, über die sich jeder selbst ein Urteil bilden kann. Entschuldigung der FDP, die an diesem Abend eine eigene Veranstaltung in Mülheim hat; Absage der CDU, da die gründliche Vorbereitung der Ratssitzung Vorrang habe. Absage der Bündnis90/DieGrünen, da der Eyller Berg und die Gesundheit der Bürger vorgehe. Absage der SPD aus inhaltlichen Gründen: Es handele sich nicht um ein kommunales, sondern bundespolitisches Thema, der Standpunkt der SPD sei bekannt (dazu werde sich auch Müntefering äußern) und Herr Gottke ließe sich nicht in unseren Veröffentlichungen lächerlich machen und dann auch noch unsere Veranstaltung aufwerten. Liegen auch hier die Nerven blank oder wird der sachlichen Auseinandersetzung ausgewichen?
Der Bitte von Herrn Tersteegen (Bündnis90/DieGrünen), zu einem späteren Zeitpunkt in einem anderen Rahmen die Veranstaltung durchzuführen, kommen wir gerne nach. Aber das ersetzt nicht die Diskussion dieses Themas im Kommunalwahlkampf. Die Veranstaltung wird also mit oder ohne Vertreter der anderen Parteien stattfinden. Am 25. August um 19 Uhr 30 in der „Friedenseiche“.
Strassenfest in der Kreuzstrasse
Es erreicht mich ein Anruf von Anwohnern der Kreuzstrasse. Unsere Fraktion hatte im letzten halben Jahr deren Anliegen auf die Zulassung von Y-Anschlüssen bei den Kanälen aufgegriffen und mit entsprechenden Anträgen eine Satzungsänderung auf den Weg gebracht, die mit den Stimmen aller Fraktionen zum Erfolg führte. Jetzt organisieren die Anwohner am 22. August ein spontanes Straßenfest um den Erfolg zu feiern. Wir freuen uns sehr über die Einladung, der wir gerne folgen und geben eine Spende zur Finanzierung des Festes wie bei allen derartigen Anlässen.
Montag, den 17. August
Schul-, Kultur- und Sportausschuss
Die letzte Sitzung des SKS-Ausschusses in dieser Legislaturperiode befasst sich vor allem mit den Berichten zur Entwicklung der Schülerzahlen und den Folgen für die Klassenstärken. Ferner mit dem Bericht des Kulturbeauftragten über die vergangene und die kommende Spielzeit. Ein besonderes Highlight werden im kommenden Jahr Veranstaltungen im Zusammenhang mit den Festlichkeiten „Essen für das Ruhrgebiet - Europäische Kulturhauptstadt 2010“ werden. Ich freue mich besonders auf die Theateraufführung „Grubenlicht und Wetter“ des Sago-Theaters in Essen. Dieses Stück wurde im letzten Jahr anlässlich des Grubenunglücks auf Zeche Radbod 1908 im Rahmen des 3. Internationalen Bergarbeiterseminars uraufgeführt und hat ein breiteres Publikum verdient. Seine Aufführung im Rahmen der Aktion „Schachtzeichen“ am 22. Mai 2010 ist ein schöner und würdiger Rahmen.
Bei der Diskussion im Ausschuss sind Nuancen der Aussprache und Betonung gefragt, denn es ist wohl doch ein Unterschied zwischen der Aktion „Local Heroes“ und Lokal Heroes.
Die Nerven der CDU liegen blank
Unter dem Tagesordnungspunkt „Mitteilungen und Anfragen“ schlug dann allerdings der Wahlkampf voll durch. Dazu muss ich etwas ausholen. In der letzten Woche wurden wir informiert, dass bei der Behebung eines Wasserschadens im JSG die Arbeiten in Schutzanzügen durchgeführt werden mussten. Da dies bereits einige Wochen zurück lag, wunderte ich mich, dass die Fraktionen nicht unterrichtet wurden. Wie sich dann nach Rückfragen bei der Verwaltung herausstellte, handelte es sich um PAKs in Klebemitteln, die bei der Fussbodenverlegung in den 70ger Jahren üblich waren. Heute weiß man allerdings, dass deren Dämpfe giftig sind und es erfolgte eine grundlegende Sanierung der Böden. Offen blieb für mich aber die Frage, warum darüber erst auf der nächsten BGU-Sitzung am 24. August informiert werden soll. Aber auch, ob nicht noch andere Räume in Schulen ähnlich belastet sind.
Deshalb brachte ich den Sachverhalt im SKS zur Sprache, da nach meinem Verständnis auch der Schulträger vertreten durch den Beigeordneten Fritz und Amtsleiter Resnitzek eine Informationspflicht gegenüber den Fraktionen hat. Als Herr Fritz ansetzte eine bessere künftige Informationspolitik zu geloben, fuhr ihm der CDU-Vorsitzende Plonka völlig außer sich in die Parade: „Seit wann ist denn hier Gesetz, was Herr Wallenstein vorbringt?“ Die SKS-Vorsitzende Hannelore Schulte entgegnete, dass es nicht gerade um einen geringfügigen Sachverhalt gehe. Und Herr Fritz entsprach dann meiner Bitte, gegenüber den Unterstellungen von Herrn Plonka den vollständigen Wahrheitsgehalt meiner Ausführungen zu bestätigen. Zurecht handelte sich Herr Plonka am Ende den Ordnungsruf von Frau Schulte ein, dass es nicht zulässig sei, den Wahrheitsgehalt von Aussagen von Ausschussmitgliedern in Frage zu stellen. Die Nerven liegen bei der CDU offensichtlich blank.
Sonntag, den 16. August
Schreibtischarbeiten
Nach einer ausgiebigen Stärkung bei einem gemütlichen Frühstück war Zeltabbauen und Aufräumen des Platzes angesagt. Auch hier fehlte es nicht an tatkräftigen Helfern. Zwischen Fernsehberichten über die begonnene Leichtathletik-WM heißt es dann aber noch die Sitzung des Schul-, Kultur- und Sportausschusses am Montag vorzubereiten. Außerdem wartet die Redaktion der „Rheinischen Post“ auf die Antworten zu sechs Fragen zum Wahlprogramm, die an alle Parteien gestellt wurden. Diese werden am Dienstag auf einer Seite zum Vergleich abgedruckt. Die Vorgabe von 350 Anschlägen pro Antwort ist ganz schön hart und ich brauche länger als geplant, um das Gardemaß einzuhalten.
Zu Wort kommen alle Parteien und Organisationen, die bei der letzten Wahl über 5 Prozent der Stimmen hatten. Also sind wir mit von der Partie. Die neu kandidierende Linkspartei unterliegt dagegen einer ähnlichen Wahlbehinderung wie wir vor der letzten Wahl. Wer sich da nicht durch eine langjährige Arbeit unter den Bürgern bekannt gemacht hat und Vertrauen gewonnen hat, hat es normalerweise schwer.
Samstag, den 15. August
Traditionelles Kinder- und Sommerfest
Mit dem traditionellen Kinder- und Sommerfest leiten wir die heiße Phase des Wahlkampfes ein. Wie schon im letzten Jahr auf dem wunderschönen Weddigenplatz in der Alten Kolonie. Zur gleichen Zeit feiern auch die Siedler ihr Jahresfest in der Rathaussiedlung und die Kleingärtner in der Anlage am Fürmannsheck. Schade, so können wir uns nicht gegenseitig besuchen. Das Wetter spielt wunderbar mit und ab 14 Uhr läuft ein buntes Programm. Wie schon zuvor wird das Fest von den Anwohnern freudig unterstützt. Manche kommen gerade aus dem Urlaub zurück, legen sich noch ein paar Stündchen aufs Ohr und sind dann rechtzeitig zum Abendprogramm zur Stelle.
Der Weddigenplatz muss viel mehr für die Bürger zur Verfügung gestellt werden. So wurde einer direkten Anwohnerin untersagt, die Wiese für ihren Polterabend zu nutzen, weil dies eine „private Feier“ sei. Ja dürfen denn die Bürger kein Privatleben mehr haben? Für wen sind die öffentlichen Anlagen denn da? Darüber werden wir in einer der kommenden Sitzungen mal Klarheit schaffen wollen.
Doch an diesem Nachmittag tut das der Stimmung keinen Abbruch. Es beginnt mit einer Kinderrally, mit Karaoke und Reiten auf den Pferden von Haus Elim. Dies ist immer wieder ein besonderes Erlebnis für Jung und Alt. Die Hüpfburg sorgt bis in den frühen Abend dafür, dass die Eltern an den Tischen in Ruhe Klönen können.
Als um 18 Uhr der wunderbare Discjockey JFK den Riemen auf die Orgel schmeißt geht die Party richtig los. Und das nicht so ganz leise. So werden auch die Nachbarn aus ihren Hütten gelockt, die zuvor noch unentschlossen waren. Die Stimmung ist bombig. Hier wärmt das einmalige Zusammengehörigkeitsgefühl der Koloniebären die Herzen. Erinnerungen werden ausgetauscht an die gemeinsame Maloche unter Tage, wo es hart aber oft auch lustig zuging. Wo eine Gemeinschaft gewachsen ist, die über allen weltanschaulichen und parteipolitischen Differenzen stand und bis heute steht. Das ist der Geist, der den RAG-Giftwall bezwungen hat und der nicht klein zu kriegen ist.
Um keine schlafenden Hunde zu wecken, will ich den Mantel des Schweigens darüber decken, wann der DJ schließlich seine Koffer packte. Nur soviel, es gab nicht eine Beschwerde aus der Nachbarschaft. Glückauf bis zum nächsten Jahr, dann möglichst gemeinsam getragen von allen Koloniebären, egal welcher Staatsbürgerschaft und Herkunft.

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